07.10.2026

Wenn jede Sekunde zählt

Wie funktionieren Atomuhren und warum sind sie für moderne Netze so wichtig? Ein Blick auf die Technologie und die Microchip 5071B.

 

Wie funktionieren Atomuhren – und warum ist präzise Zeit heute so wichtig?

Zeit ist für uns selbstverständlich. Sekunden vergehen, Uhren laufen und digitale Systeme synchronisieren sich scheinbar automatisch. Doch hinter vielen modernen Infrastrukturen steckt eine Genauigkeit, die mit einer gewöhnlichen Quarzuhr nicht mehr zu erreichen ist. Telekommunikationsnetze müssen Datenströme koordinieren, Rechenzentren Transaktionen und Prozesse zeitlich eindeutig zuordnen und kritische Infrastrukturen benötigen eine zuverlässige gemeinsame Zeitbasis. Schon kleinste Abweichungen können dabei Auswirkungen auf Synchronisation, Datenintegrität oder die Stabilität technischer Prozesse haben. Genau an diesem Punkt kommen Atomuhren ins Spiel.

Microchip gibt in einer neuen fünfteiligen Videoserie einen verständlichen Einblick in die unterschiedlichen Technologien – von kompakten Chip-Scale Atomic Clocks bis hin zu hochpräzisen Cäsium-Atomuhren und Wasserstoffmasern. Im ersten Teil erklärt Applications Engineer Jason Hufnagel zunächst die Grundlagen: Was ist eine Atomuhr eigentlich und warum lässt sich mit Atomen Zeit so außergewöhnlich genau bestimmen?

 

Eine Sekunde ist keine willkürlich gewählte Zeiteinheit

Eine klassische Uhr benötigt immer einen möglichst gleichmäßigen Taktgeber. Bei einer mechanischen Uhr übernimmt diese Aufgabe beispielsweise ein Pendel oder eine Unruh, bei einer Quarzuhr ein schwingender Quarzkristall. Atomuhren gehen einen entscheidenden Schritt weiter. Sie nutzen bestimmte quantenmechanische Übergänge in Atomen als Referenz. Diese besitzen extrem stabile und reproduzierbare Frequenzen. Dadurch steht praktisch überall eine identische physikalische Referenz zur Verfügung – unabhängig davon, welches einzelne Gerät die Zeit misst. Besonders wichtig ist dabei Cäsium-133: Seit 1967 wird die SI-Sekunde über einen bestimmten Übergang im Grundzustand dieses Atoms definiert. Moderne Cäsium-Atomuhren nutzen genau dieses physikalische Prinzip, um eine hochstabile Frequenzreferenz zu erzeugen. Das bedeutet vereinfacht gesagt: Eine Atomuhr versucht nicht, eine bereits vorhandene Uhr möglichst genau nachzubilden. Die physikalischen Eigenschaften des Atoms selbst liefern den Maßstab für die Zeit.

 

Warum benötigen technische Systeme überhaupt eine so genaue Zeit?

Bei einer Armbanduhr spielt es kaum eine Rolle, wenn sie nach einigen Wochen einige Sekunden vor- oder nachgeht. Bei modernen Kommunikations- und Infrastrukturnetzen sieht das völlig anders aus. Präzise Zeit und Frequenz werden beispielsweise benötigt, um Mobilfunk- und Telekommunikationsnetze zu synchronisieren, Vorgänge in Rechenzentren eindeutig zeitlich zuzuordnen oder verschiedene technische Systeme auf einer gemeinsamen Referenz zu betreiben. Besonders kritisch wird das überall dort, wo viele räumlich getrennte Systeme miteinander arbeiten müssen. Microchip nennt für Cäsium-Zeitreferenzen unter anderem Anwendungen in Telekommunikationsnetzen, Energieversorgung, Flugsicherung, Notfallkommunikation, Rechenzentren, nationalen Zeitskalen sowie Kalibrier- und Metrologieumgebungen. Damit wird Zeit selbst zu einem Bestandteil der Infrastruktur.

 

Und warum reicht GPS beziehungsweise GNSS dafür nicht aus?

Viele Systeme erhalten ihre genaue Zeit heute über satellitengestützte Navigationssysteme wie GPS, Galileo oder andere GNSS-Systeme. Das funktioniert ausgesprochen gut – erzeugt aber gleichzeitig eine Abhängigkeit von extern empfangenen Signalen. GNSS-Signale können gestört, blockiert oder manipuliert werden. Begriffe wie Jamming und Spoofing spielen deshalb gerade bei kritischen Infrastrukturen eine immer größere Rolle. Microchip verfolgt aus diesem Grund verschiedene Ansätze für resiliente Positionierungs-, Navigations- und Zeitlösungen, bei denen hochwertige lokale Zeitreferenzen einen wichtigen Bestandteil bilden. 

Eine eigene Atomuhr kann dabei eine völlig andere Rolle übernehmen als ein reiner GNSS-Empfänger: Sie besitzt ihre eigene hochstabile Frequenzreferenz. Fällt die externe Synchronisationsquelle aus, kann das System deshalb weiterhin eine sehr präzise Zeit beziehungsweise Frequenz bereitstellen. Dieses Verhalten wird häufig als Holdover bezeichnet. Je stabiler die interne Referenz ist, desto länger kann ein System einen Ausfall der externen Zeitquelle überbrücken, ohne dass die Abweichung unzulässig groß wird.

 

Cäsium als hochstabile lokale Referenz

Genau hier kommen Cäsium-Atomuhren wie die Microchip 5071B ins Spiel. Die 5071B ist ein Primary Time and Frequency Standard und der Nachfolger der bekannten 5071A. Microchip hat dabei die interne Elektronik modernisiert, während Formfaktor, Anschlüsse und Befehle des Vorgängers beibehalten wurden. Entscheidend ist jedoch ihre Zeit- und Frequenzperformance.

In der High-Performance-Ausführung erreicht die 5071B eine Frequenzgenauigkeit von unter \(5 × 10^{-13}\). Gleichzeitig besitzt sie laut Microchip keine deterministische Frequenzdrift. Die spezifizierte Genauigkeit wird bereits innerhalb von etwa 30 Minuten nach dem Einschalten erreicht. Damit eignet sie sich insbesondere für Anwendungen, bei denen eine Zeitreferenz nicht lediglich genau, sondern auch langfristig stabil und unabhängig verfügbar sein muss.

 

Microchip 5071B: Präzise Zeit auch unabhängig von GNSS

Einer der spannendsten Aspekte der 5071B ist deshalb nicht allein ihre Genauigkeit im normalen Betrieb. Microchip hebt ausdrücklich ihre Fähigkeit hervor, bei einem Ausfall oder einer Nichtverfügbarkeit von GNSS autonome Zeitinformationen über lange Zeiträume bereitzustellen.

Das macht eine Cäsium-Atomuhr beispielsweise interessant für:

  • kritische Kommunikations- und Infrastrukturnetze,
  • Telekommunikationsnetze und hochgenaue Synchronisationsarchitekturen,
  • Energieversorgung und andere kritische Infrastruktur,
  • Rechenzentren,
  • Forschungs-, Labor- und Kalibrieranwendungen,
  • sowie Systeme, bei denen GNSS nicht als alleinige Zeitquelle eingesetzt werden soll.

Die 5071B stellt dafür unter anderem Frequenzausgänge mit 100 kHz sowie 1, 5 und 10 MHz und mehrere 1-PPS-Signale bereit. Zusätzlich können externe 1-PPS-Referenzen eingebunden werden. Eine interne Batterie überbrückt kurzfristige Stromunterbrechungen. 

 

Atomuhren sind nicht gleich Atomuhren

Dabei ist die 5071B nur eine Ausprägung einer ganzen Familie unterschiedlicher Atomuhren. Microchip reicht mit seinem Portfolio von sehr kompakten Chip-Scale Atomic Clocks (CSAC) über Rubidium-Lösungen und Cäsium-Standards bis hin zu Wasserstoffmasern. Die Technologien unterscheiden sich hinsichtlich Baugröße, Leistungsaufnahme, Kurz- und Langzeitstabilität sowie der erzielbaren Genauigkeit und sind deshalb für unterschiedliche Anwendungen geeignet.

Genau diesen Zusammenhang greift Microchip in seiner neuen Videoserie auf. Im ersten Video „Introduction to Atomic Clocks“ erklärt Jason Hufnagel zunächst die physikalischen Grundlagen und zeigt, warum atomare Übergänge überhaupt als außergewöhnlich stabile Frequenzreferenz genutzt werden können.

Hier kannst Du Dir das erste Video der Serie ansehen:

Wenn Zeit Teil Deiner Infrastruktur wird

Atomuhren sind also längst nicht nur Instrumente aus Forschungslaboren oder nationalen Metrologieinstituten. Überall dort, wo digitale und physische Infrastrukturen exakt synchronisiert werden müssen, kann eine zuverlässige Zeitreferenz zu einem entscheidenden Bestandteil der Architektur werden. Und mit zunehmender Abhängigkeit von GNSS gewinnt ein weiterer Aspekt an Bedeutung: Resilienz.

Die Frage lautet deshalb nicht mehr ausschließlich: Wie genau können wir unsere Zeit bestimmen?

Sondern zunehmend auch:

Wie lange können wir einer präzisen Zeit noch vertrauen, wenn unsere externe Referenz plötzlich nicht mehr verfügbar ist?

Genau dafür sind hochstabile lokale Zeit- und Frequenzreferenzen wie die Microchip 5071B Cäsium-Atomuhr konzipiert.

 

Microchip 5071B Cäsium-Atomuhr

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